Visum für Sri Lanka: Durch die Mühlen der Visabürokratie

Visum beantragen

Colombo. Halb Sieben am Morgen. Ich stehe auf der Matte. Bereit mein Visum für Sri Lanka um drei Monate zu verlängern. Sei so früh wie möglich im „Department of Immigration“, wenn du nicht sechs oder sieben Stunden warten willst, hieß es in einschlägigen Blogartikeln. Ich kann‘s mir echt kaum vorstellen, dass es so lange dauern soll. Nimm dir einen „Freund“, dann geht alles ganz flott, war auch mal irgendwo zu lesen.

Ich nehme mir vor, es auf dem „normalen“ Weg zu versuchen. Kann ja kein Hexenwerk sein. Schließlich beantragen tagtäglich dutzende eine Visumsverlängerung in Sri Lanka. Einen Tipp nehme ich mir dann aber doch zu Herzen und ziehe mir was Anständiges an. Lange Hose, hellblaues Hemd, Feste Schuhe. So sitze ich nun auf der Dachterrasse meines nicht nennenswerten Hotels und schütte mir aufgeregt noch zwei Nescafes rein. Dazu ein Toast mit irgendwas, das Marmelade sein soll.

Um Acht will ich spätestens da sein. Schnell nochmal die Unterlagen durchgehen. Reisepass, Passfotos, Kreditkartenbelege und das Rückflugticket. Mehr sollte nicht nötig sein. Halt! Geld! Kostet ja auch ein bisschen was die Aktion.


Dann geht es raus in den schwülen Morgen von Colombo.

 

Ein Tuktuk erwartet mich schon vor dem Hotel. Was für ein Zufall aber auch. Die Preisverhandlung läuft gut. Nehm ich! Wir knattern los. Es ist richtig viel Verkehr auf den Straßen. Die Fahrerei ist ein ständiges Start- und Stoppspiel. Vor Allem an den Kreuzungen ist Vorsicht geboten. Sobald der Polizist mit seinen weißen Armüberziehern umherfuchtelt geht es weiter. Achtundzwanzig Minuten brauchen wir durch die morgendliche Rushhour bis vor das Department of Immigration and Emigration.

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Ganz schön was los vor dem Department of Immigration während des morgendlichen Verkehrschaos. (Achtung, Seit Ende 2016 befindet sich Department of Immigration in einem anderen Gebäude!)

Ankunft. Bezahlen. Noch nicht einmal den Fuß auf dem Boden vor dem Tuktuk, bieten sich mir gleich mehrere „Helfer“ an das Visum für Sri Lanka zu verlängern. Ich lehne dankend ab. Auch Passbilder brauche ich keine mehr machen lassen. Wäre aber rechts unterhalb der Eingangstreppe möglich gewesen. Kurz bin ich irritiert, wo denn der richtige Eingang ist. Trotzdem marschiere ich zielstrebig die Treppe hoch.

Ich will nicht unsicher wirken und laufe deshalb einfach geradeaus den Eingangsbereich nach hinten. Stand es doch so irgendwo im Internet geschrieben. Also, bis zum Ende durch und dann links die Treppe rauf in den dritten Stock. Ganz einfach. Die Treppe führt im Quadrat herum nach oben.


Auf jeder Etage schaue ich trotzdem, ob irgendwo ein Hinweis für mich zu finden ist.

 

Um die vorletzte Ecke erscheint das erste Schild, auf dem etwas mit Visa und Immigration steht. Erleichterung! Scheint richtig zu sein! Oben angekommen ist es auch gleich nochmal ganz groß über der Eingangstür auf dem weiß-blauen Schild geschrieben: Welcome to the Visa Division.

Also rein da. Einige sitzen schon auf den braunen Plastikstühlen. Gleich links neben der Tür ist eine Glasscheibe. Das muss wohl der Empfang sein. Leider befindet sich niemand dahinter. Wieder macht sich Unsicherheit breit. Bin ich noch zu früh? Einfach mal warten! Unauffällig linse ich hinter den Tresen und erspähe dort, die mir aus dem Netz bekannten Formulare. Kurz spielen meine Gedanken damit, mir einfach selbst eins zu holen, kann aber an mich halten.

Gleich darauf kommt ein braungebrannter Kerl mit Kahlkopf, Trägershirt, Boardshorts und Flipflops rein. Ohne anzuhalten läuft er, seine Freundin mit schulterfreiem Minikleid im Schlepptau, an den Wartenden vorbei. Wie selbstverständlich huscht der Bub‘ hinter die Scheibe und zieht sich zwei Formulare vom Stapel. Der war wohl schon öfter hier.

Verdutzt schiebe ich meine Unterlippe nach vorne und überlege, das gleiche zu tun. War der Gedanke daran doch auch schon in meinem Hirn gewachsen bevor der Typ es vormachte. Abermals halte ich an mich. Ich will es mir auf keinen Fall verscherzen, bevor es überhaupt angefangen hat und halte mich an die Regeln.


Zu viel hängt von der Verlängerung meines Visums für Sri Lanka ab.

 

Kurz darauf erscheint auch schon ein Herr mit Brille und hellgelbem Hemd. Er mustert mich fragend und kommentarlos. „I need a new Visa.“, halte ich mich kurz. Ich bekomme das heilige Schriftstück uuund Überraschung noch eine Nummer. Die Fünf bin ich. Hat der Trägershirt-Boardshort-Typ auch eine? Mein Grinsen schlucke ich runter. Es kribbelt im Bauch.

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Gib ihnen alles, was sie wissen wollen, dann kann fast nichts schief gehen!

Das Visaformular liegt nun vor mir auf einem der Holzschreibtische. Ich zücke meinen selbst mitgebrachten blauen Kugelschreiber und den Reisepass. Bin zum Glück gut vorbereitet und hab mir das Schriftstück vorher schon mal durchgeschaut. Ist also reine Formsache und echt nicht schwer auszufüllen. Zwei Mal kontrolliere ich alles. Fertig! Fast! Das Passbild fehlt noch. Hat jemand Kleber dabei?

Am Schreibtisch gegenüber erspähen meine Augen wie’s geht. Der Mann nimmt das Stöckchen aus der abgeschnittenen, verkrusteten Plastikflasche und streicht damit sein Passbild ein. Ich warte, bis er fertig ist und tue es ihm gleich. Hält nicht so richtig. Spucke wäre bestimmt genauso gut gewesen. Wird schon passen.


Die erste Hürde habe ich also schon mal mit Bravour gemeistert.

 

Voller Optimismus nehme ich in den hinteren Reihen des Wartebereiches Platz. Unruhig tippt meine rechte Verse auf und ab. Bin doch ein bisschen nervös, so wie’s aussieht. Einer der Offiziellen, mit polierter Billardkugelfrisur, läuft zwischen den Stuhlreihen umher. Immer wenn es so weit ist gibt er die Nummer zum Besten, die an die Reihe kommt. Dabei richtet sich sein linker oder rechter Arm nach oben, wo auf dem Bildschirm ebenfalls die nächste Nummer und auch der Buchstabe des Zimmers angezeigt wird.

Ich fiebere, immer noch mit der rechten Verse tippend‚ meiner Fünf entgegen. 17 Minuten später leuchtet sie auf. Fünf B. Okay, jetzt wird es ernst: Tief durchatmen und auf geht’s. Möglichst zurückhaltend nehme ich Platz. Mir gegenüber sitzt eine Frau im mintgrünen Sari. Dieses Mal wird mein Lächeln nicht erwidert, als ich „good morning“ sage.


Auch mein kläglicher Versuch, der Dame mit einem singhalesischen „suba udasahnak“ zu imponieren, scheitert kläglich.

 

Alles klar, schnauze halten und nur reden, wenn du gefragt wirst. Ist schließlich keine Kneipe hier. Während die Beamtin mein Formular begutäugt, hole ich das Dokument hervor, das dir die Türen der Welt öffnet. Den deutschen Reisepass. Ich schiebe ihn rüber und achte dabei darauf, dass er für sie richtig herum liegt. Will ich doch alles gut machen. Prüfende Blicke schweifen zwischen meinem Pass und dem Formular hin und her.

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Alles griffbereit und das Visum schon fast in der Tasche.

Ihr fällt auf, dass der Aufkleber, den ich am Flughafen bei der Einreise bekommen habe, nicht deutlich zu lesen ist. Darauf sollte eigentlich die Zeit zu lesen sein, wie lange das erste Visum für Sri Lanka genehmigt ist. Wortlos steht sie auf und geht in den Raum nebenan. Ich schlucke und nehme mir vor, bei der nächsten Reise bestimmt mehr darauf zu achten.

Nach einiger Zeit kommt sie mit langsamen, schleichenden Schritten zurück. In ihrer Mimik ist nichts positives oder negatives zu sehen. Ich bin guter Dinge, bis ihr Finger auf den Eintrag des Visumsformulars, mit der Verlängerungszeit tippt. „You want three Months more? You had already three!“ Mein Herz beginnt zu pochen. „We give only one month!“ Meine Kehle schnürt sich zu. „Why do you want to stay so long in Sri Lanka?“

Gut, denn auf diese Frage bin ich vorbereitet. „Es ist mein fünfter Besuch hier und es gefällt mir in Sri Lanka sehr gut. Die Menschen sind sehr freundl…“ Sie fällt mir ins Wort: „After one Month you come again! Then you will get one Month more.“ Ratlosigkeit macht sich breit. Hatte ich mir doch eine so tolle Geschichte zurechtgelegt. Mit ruhiger Stimme versuche ich weiter zu erklären: „Ich werde ab Mai in Arugam Bay wohnen und habe die Unterkünfte schon gebucht. Bezahlt ist auch schon alles im Voraus. Es ist ein sehr weiter Weg von der Ostküste nach Colombo.“


Das hin- und herreisen würde mich mindestens drei Tage und eine Stange Geld kosten.

 

„OK, two months!“ geht das Spiel weiter. Naja, dann müsste die Strecke nur einmal zurückgelegt werden. Das ist aber trotzdem nicht das, was ich mit vorgestellt hatte. Auch hatte ich nicht erwartet, hier wie mit den Tuktuk-Fahrern verhandeln zu müssen. Die gute Frau will gerade Ihren Kugelschreiber ansetzen und die bewilligte Zeit eintragen. Also gut! Ich ziehe den einzigen Joker. Das Rückflugticket.

Kritische Blicke. Vorsichtig zeigt mein ausgestreckter Zeigefinger auf die Zeile mit dem Rückflugdatum. Dort ist der 18. Juli verzeichnet. Sie beginnt, ohne weitere Worte zu verlieren, mit der Notiz in der rechten unteren Ecke. Fragezeichen schwirren durch meine Gehirnwindungen. „Nineteenth you go home!“ Entfährt es ihr mit bestimmter Stimme. Den Jubelschrei unterdrücke ich und gebe einfach nur ein demütiges „thank you“ zurück. Das Rückflugticket heftet Frau Beamtin zu meinem Formular. Ist zum Glück eine Kopie!

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Schon erledigt! 8:13 Uhr rein, 10:28 raus.

Zurück im, sich immer weiter füllenden Wartebereich, beginnt wieder das Warten bis die Fünf auf dem Bildschirm erscheint. Hoffentlich ist der Rest jetzt nur noch Formsache. Ein flaues Gefühl hängt mir im Magen. Wird wohl an dem leckeren Frühstück von heute Morgen liegen.

Als nächstes kommt Schalter Fünf dran. Ist hoffentlich meine Glückszahl. Nach einer längeren Wartezeit stehe ich mit meiner Nummer Fünf am Schalter Fünf. VISIT VISA ist auf dem Schild über mir geschrieben. Ohne Anmerkung wird mir mein Pass und das Visaformular überreicht. Was nun. Ich schaue auf die Rückseite des zweiseitig bedruckten Papiers und suche nach der Stelle mit dem Preis. 13.890 Rupien.


Leichte Freude überkommt mich. Weiß ich doch, dass mich das weitere Visum für Sri Lanka etwa 14.000 Rp kosten soll.

 

Auf geht’s zu Tor Sieben! Der Bezahlschalter. Artig wird sich in die Warteschlange eingereiht. Niemand sitzt hinter der Scheibe mit dem Loch zum Geld durchreichen. Ist wahrscheinlich gerade Frühstückspause. Vor mir erkenne ich überwiegend Pässe aus Pakistan, Indien, Nepal oder Myanmar. Sind scheinbar alles Gastarbeiter. Zwölf lange Minuten später erscheint die Kassiererin. Sie nimmt entspannt Platz und verfällt, im Hinblick auf die lange Reihe, nicht im Geringsten in Hektik.

Schließlich bin ich an der Reihe. Seelenruhig wird mein Antrag bearbeitet. Immer wieder lugt die hübsche über Ihre Brille zunächst auf den Antrag, dann auf die Tastatur. Auf dieser tippt sie, mit wahnsinniger Geschwindigkeit in unnachahmlicher Einfingertechnik, die nötigen Daten ab. Irgendwann kommen wir doch noch zum Ende. Durch das Loch in der Scheibe reiche ich ihr das nötige Kleingeld.

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Auftrag erfolgreich ausgeführt. Zurück im Hotel.

Noch einmal ist Wartezeit. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schiefgehen. Trotzdem sacke ich in dem rutschigen Stuhl immer wieder nach unten und richte mich danach wieder nervös auf. Haltung bewahren! Lange kann’s ja nicht mehr dauern. Meine Finger tippen aufgeregt auf der Lehne herum. Was sagt die Uhr? Halb Zehn. Ich bin doch gut in der Zeit. Also versuche ich ein wenig zu entspannen.

„Number five … five! Endlich! Der letzte Gang! Jetzt kommen die Tatsachen auf den Tisch. Eigentlich sollte jetzt nichts mehr danebengehen. Dieses Mal baut sich ein Mann hinter dem Tresen auf. Wichtig wie er ist, studiert er nochmal den Pass und die entsprechenden Einträge. Endlich überreicht er mir das heiligste Dokument der Reisenden zurück. Beim Weggehen blättere ich hastig vor zum Visum für Sri Lanka. 19. Juli steht da.

Freude!

 


 

Schau doch auch mal auf ZielunGEWISS. Dort findest du alle nötigen Hinweise zu Visaangelegenheiten für Sri Lanka in sachlicher Form. Vom normalen 30-Tage-Visum bis zum Langzeitvisum sind dort die wichtigsten Hinweise für dich aufgelistet.

 


 

Schön, dass du vorbei geschaut hast und bis bald.

Surfen, Reisen, Leben in Sri Lanka

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