Und Surfboards haben doch eine Seele

Ich mit Surfboard im Garten

Halb fünf am Nachmittag. Gerade stelle ich mein Firmenauto auf dem Parkplatz vor selbiger ab. Unerwartet ertönt mein Lieblingslied in Form des Handyklingeltons. Die Nummer ist mir unbekannt. Meistens nehme ich dann nicht ab. Aus irgendeinem Grund bin ich aber neugierig und gehe ran:

„Markus Warth, Hallo?“ — „Ja Hallo, hier ist Gero von FATUM-Surfboards.“ — „Wer ist da? Hallo?“  Mein Empfang ist leider nicht so toll. „Gero von FATUM. Du hast ein Bestellformular für ein neues Board ausgefüllt.“ — „Ahh, ja genau. Hallo. Freut mich, dass du mich anrufst.“ Ich bin positiv überrascht, da ich mehr mit einer E-Mail Rückmeldung gerechnet hatte, als ich vor einigen Tagen ein neues Board anfragte. Gero ruft mich also tatsächlich von Portugal aus auf meinem Handy an.

„Lass mal sehen. Du möchtest den Giant Fish in 6,2“. Hmmm, 70 Kg, 1,75 m, dann steht da noch was von sechs Monate Sri Lanka, Pointbreaks und ein Board zum „down the line“ cruisen. Erzähl mal, was stellst du dir so vor?“ — „Ohh, ähh, ja ich weiß auch nicht so genau. Ich bin ab Ende Januar für sechs Monate in Sri Lanka. Surfen und Reisen. Dafür wollte ich gerne ein zweites Board zur Ergänzung zu meinem 6,1″ Shortboard. Ich dachte da eher an was Breites mit gut Volumen.  Was zum Spaß haben halt.“


Eigentlich habe ich nicht viel Ahnung von Boardshapes und Fachgesimpel über Rocker und Rails oder Finnen und so Zeug, lasse mir aber nichts anmerken.

 

„OK, ich glaube aber, dass wir das Board kürzer machen sollten. Etwa 5,10″. Es ist halt schon sehr breit und hat viel Volumen. Ich glaube, das ist mehr das was du suchst.“ Ich bin sehr skeptisch, was die Länge angeht, da ich gerade ein anderes 5,10″ Fishboard verkauft habe. Dieses bin ich eigentlich nie richtig gesurft, weil es mir viel zu kurz war. „OK, ähh ja, wenn du meinst. Also ich verlass mich da dann voll auf deine Erfahrung. Du wirst mir schon was passendes shapen“ — „Also gut, dann machen wir 5,10“. Ich würde dir aber drei Finnen dranmachen, sonst wird es zu „skatig“. Also mit so einer kleinen, zusätzlichen Centerfinne.“ — „Ja klar, hört sich gut an. Machen wir.“ Ich habe nicht so wirklich eine Vorstellung was Gero meint, aber wird schon passen. Schließlich ist er der Fachmann.

„Was stellst du dir von der Farbe her vor?“ Endlich mal eine Frage, bei der ich genau weiß was ich will. „Einfach nur ein weißes Sandfinish“ — „Ok, dann haben wir glaub ich alles. Lass mal sehen! Hmmm ja, passt, passt, das ist auch in Ordnung und das auch. das wär‘s dann.“ — „Ja super, ich freu mich schon!“

So ähnlich lief die Bestellung für mein neues FATUM Ginatfish Surfboard ab.


Ich fand es wirklich sehr vertrauenserweckend, dass Gero das Board persönlich mit mir besprochen hat.

 

Nach dem Austausch über die Details zu dem Board, fragte er mich auch noch wie es denn kommt, dass man sechs Monate nach Sri Lanka geht und was ich da so vorhabe. In der Schnellfassung erzählte ich meine Story, die du auch auf meiner über mich Seite und im ersten Blogbeitrag nachlesen kannst.

„Hört sich sehr spannend an. Dann viel Spaß und gute Wellen in Sri Lanka!“ Erwidert Gero noch, bevor wir auflegen.

FATUM Board

Dezember 2015, noch in der Heimat, ein neues Surfboard ist doch immer wieder eine besondere Sache

Einige Wochen später kommt das gute Stück bei mir an. Gut verpackt und ohne Beschädigungen. Sachte schäle ich das Surfboard und die Finnen aus dem Karton und dem Verpackungsmaterial. „Wow, voll kurz“ denke ich. Aber sehr schön sieht es aus. Als meine Frau Tatjana das Board sieht, teilt sie mir mit einem fragenden Blick mit: „Ein bisschen klein, oder?“ Ich bin jedoch optimistisch, weil es sich trotz gleicher Länge zu meinem alten Fishboard viel, viel besser anfühlt. Es wird großartig werden.


Prompt verfalle ich in eine Traumwelt und sehe mich an den langen Points von Arugam Bay oder den schönen Wellen im Süd-Westen Sri Lankas entlang cruisen.

 

Zwei Monate sind es ca. noch bis die Reise endlich los geht. Das Board wird sicher verstaut. Ab und zu hole ich es aber hervor und betrachte es gedankenverloren. Ich mache mich innerlich mit ihm bekannt und freunde mich mit den schönen Konturen an.

Auch eine eigene Grafik soll noch verwirklicht werden. Diese schwirrt mir schon länger im Kopf rum. Eine grobe Vorlage ist auch schon erstellt. Jedes meiner Boards wurde bis jetzt mit einer eigenen Boardgrafik versehen. Dieser Prozess haucht dem schönen weißen Ding noch eine gewisse Persönlichkeit ein. Schon oft las ich davon, dass es magische Surfboards gibt. Oder, dass manche sogar eine Art Seele besitzen. Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde, aber eine gewisse Beziehung baut man dadurch schon auf.

Markus im Garten mit Finnen

Januar 2016, im Garten des Rathna Guesthouse, Magie liegt in der Luft und die kleine Centerfinne macht sich auch gut

Abreise. Die Boards sind ordentlich verpackt. Ankunft in Colombo. Sieht nicht aus als wären Beschädigungen vorhanden. Von außen sieht meine Boardbag zumindest gut aus. Trotzdem werfe ich einen kleinen Blick hinein. Scheint alles OK zu sein. Also los und raus aus dem Flughafen.

Drei Stunden später komme ich im Rathna Guesthouse in Dalawella an. Es ist Nachmittag. Tropische Hitze. Die Wellen sind etwas durcheinander. Zur Begrüßung gibt’s einen Fruchtshake. Danach will ich auf jeden Fall meine Surfboards kontrollieren.

Der Reißverschluss meiner Doubleboardbag hakt beim Öffnen ein bisschen. Hab wohl etwas zu viel Zeug reingepackt. Als Erstes ziehe ich das alte 6,1“ raus, schenke ihm aber nicht ganz so viel Beachtung. Natürlich interessiert mich viel mehr wie mein Neues die Reise nach Sri Lanka überstanden hat. Sehr genau wird es betrachtet. Erst oben, dann unten und schließlich die Rails vom Tail zur Nose. Erleichterung macht sie breit. Keine Schäden. Nicht mal eine kleine Delle. Perfekt.

Markus Surfen Rathnas

Februar 2016, Dalawella Beach, die ersten Tests bei spaßigen Wellen. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein

Die nächsten Tage sind die Wellen eher flach, aber super zum eingewöhnen und Spaß haben. Drei Tage benutze ich noch mein altes Shortboard, bevor ich mich an das neue FATUM wage. Gut fühlt es sich an, als ich es unter meinem Arm Richtung Strand trage. Barfuß schlendere ich durch den Hof, am Restaurant vorbei und durch den warmen Sand zur Wasserkante.


Das frisch aufgetragene Wachs verbreitet einen angenehmen Kokosgeruch, der mir die letzten Monate so gefehlt hat.

 

Die Wellen sind immer noch recht klein und ich bin begeistert, wie leicht es sich paddeln lässt. Keiner außer mir ist draußen. Herrlich! Die ersten beiden Wellen lasse ich noch durch. Dann kommt eine Weitere. Schnell die richtige Position auf dem Board einnehmen und mit ein paar kräftigen Zügen etwas näher zum brechenden Teil der Welle paddeln. Es gleitet und ich komme locker in den Stand. Dreimal pushe ich nach oben und lass mich dazwischen einfach wieder nach unten tragen. Es fühlt sich gut an! Ein kurzer Druck auf das Tail lässt mich über den Wellenkamm nach hinten rausfahren. Es funtioniert!

Die nächsten Tage werden die Bedingungen immer besser und cleaner. Drei Tage hat es richtig tolle Wellen, bis es wieder abflacht. Mein neues Board wird mir immer vertrauter und vielleicht hat es doch eine kleine Seele.

Viel Gerede um den heißen Brei.

Eigentlich möchte ich mich mit diesem Bericht einfach nur bei FATUM-Surfboards und Gero bedanken. Ihr habt tolle Arbeit geleistet und mir ein Surfboard gebaut, das optimal zu mir passt. Es wird mir hier in Sri Lanka bestimmt sehr viel Spaß bereiten. Die Investition in einen Customshape hat sich für mich voll und ganz gelohnt!


Vor Allem die persönliche Kontaktaufnahme nach der Anfrage war supergut und hat in mir Vertrauen geweckt.

 

Also dann nochmal recht herzlichen Dank an das komplette Team bei FATUM!

Schön, dass du vorbeigeschaut hast und bis bald.

Surfen, Reisen, Leben in Sri Lanka

Hast du vielleicht auch schon mal ein „magisches“ Surfboard besessen? Kennst du auch das Gefühl, wenn ein neues Board perfekt funktioniert? Ich freu mich schon, deine Story zu hören!

(Ich habe diesen Artikel aus reiner Dankbarkeit geschrieben und dafür weder Vergünstigungen, noch irgendwelche anderen Bezüge erhalten.)

Hat's dir gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn du's teilst!

7 Kommentare

  1. Hall Markus (ich bin einfach mal so frei),

    vielen Dank für diesen Artikel, vielen Dank für diesen Blog und vielen Dank für die Inspiration, oder ganz einfach: Danke!
    Es macht Spaß deine Artikel zu lesen und sogar ein Stück weit zu spüren wie viel Begeisterung und Glück du dabei spürst deine Traum zu leben.

    Eine Frage hätte ich dennoch: wie schaut es denn mit der Wendigkeit des Boards aus? Das sieht ja schon echt sehr breit aus.

    Ich freue mich auf deinen nächsten Artikel!

    Viele Grüße aus Hamburg,
    Andreas

    • Markus Warth

      Hey Andreas,

      wow! Super! freut mich rießig, dass Dir mein Blog und die Artikel gefallen.

      Ja, es ist wirklich so, dass es ein tolles Gefühl ist, seine Träume auszuleben. Einfach mal das zu tun, wo nach einem gerade ist. Ohne feste Zeiten oder Vorgaben. Das nenne ich Luxus!

      Zu dem Board kann ich jetzt, nach über fünf Wochen Test sagen, dass es wirklich viel Spaß bringt. Vor Allem in kleineren, schwächeren Wellen ist es super schnell. Es lässt sich leicht drehen und Turns funktionieren auch sehr gut. Natürlich ist es nicht so wendig wie ein normales Shortboard mit drei Finnen. Vor einigen Tagen war ich damit an einem etwas anspruchsvollerem Spot, mit steileren und kräftigeren Wellen. Da kam ich damit dann erst mal an meine Grenzen, da es schon sehr flach geshaped ist und meine Skills einfach noch nicht ausreichen, um es in allen Bedingungen zu beherrschen. Am nächsten Tag bin ich dann auf mein zweites Board (6,1 Shortboard) umgestiegen und es lief viel besser.

      Das Board ist wirklich sehr breit und hat viel Volumen. Dadurch lässt es sich eher schlecht duckdiven, aber super leicht paddeln und in die Wellen kommen.

      Also, ich würde es als zweites Board zum Spaß haben und um einfach „down the line“ surfen empfehlen. Wenn Du aber was für schnelle, radikale Cutbacks suchst ist das wohl nicht das Richtige.

      Ich hoffe, dass ich Dir ein bisschen weiter helfen konnte.

      Also dann, recht herzlichen Dank nochmal für Deine netten Worte.

      Grüße, Markus

      • Hallo Markus,

        vielen Dank für die Antwort zu dem Board, ja im Grunde habe ich genau das bereits gedacht/ befürchtet. Ich hab mir gerade ein Fatum Dolphin (Mini-Malibu) geordert, welches ich im Juli bei Gero abholen werde, da dieses Board auf lange Sicht wohl eher mein Zweitboard wird (erstmal muss ich wohl überhaupt sinnvoll ans Surfen kommen), hätte ich für die Zukunft (wohl auch erst in Zukunft) gerne noch ein etwas aggressiveres Brett. Aber so wie du es beschreibst wäre es wohl perfekt für meine Freundin. 🙂

        Zum Thema Sri Lanka, tatsächlich hat mich dein Blog so inspiriert (und der deiner Freundin meine Freundin), dass wir aktuell überlegen 2018 für drei Monate hin zu gehen und uns eine Auszeit zu nehmen, zumal ich (Nenn-) Verwandtschaft im Nordwesten habe, die könnte man dann auch mal besuchen.

        Ich wünsche dir ganz viel Spaß im Surfcamp, das wird dir sicherlich gefallen, wir werden dieses Jahr zum zweiten Mal in eins fahren, es ist einfach toll X Menschen um dich herum zu haben, die das selbe Hobby betreiben und mit denen man sich austauschen kann und als Gruß an deine Freundin, auch sie wird dort sicherlich Spaß haben, so viele „Verrückte“ auf einem Haufen und man kann sich dort in der Regel auch sehr gut anderweitig beschäftigen 🙂

        Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß und Freude und freue mich auf deinen nächsten Eintrag!

        Viele Grüße,
        Andreas

        p.s.: Aktuell -2°C und Sonne in Hamburg, die Nordsee hatte am Sonntag 4°C – du hast also alles richtig gemacht 😀

        • Markus Warth

          Hallo Andreas,

          find ich super, dass ich bzw. wir Euch inspirieren.

          In Sri Lanka kann man es auf jeden Fall auch länger aushalten. Vielleicht bin ich ja 2018 auch wieder hier. Es ist bestimmt nicht mein letzter Besuch auf dieser schönen Insel. Wenn es bei Euch klappt, würde es mich freuen davon zu hören.

          Danke auch, für die netten Wünsche und etwas Mittleid wegen der Kälte.

          Schöne Grüße und dann im Sommer viel Spaß mit Deinem neuen Board.

        • Hallo Andreas,

          das freut mich, dass wir euch mit unseren Blogs inspirieren.

          Ich, als Nichtsurferin, kann mir das Surfcamp irgendwie noch nicht so vorstellen. Aber ich lasse mich einfach mal überraschen und freue mich schon auf die vielen „Verrückten“ auf einem Haufen. Ich werde sicher darüber berichten.

          Dann wünsch ich euch noch viel Spaß bei euren Vorbereitungen auf eure Reisen bzw. eurer Auszeit.

          Und viele Grüße an deine Freundin.

          Alles liebe, Tatjana

  2. Hallo Markus,

    …aus „reiner Dankbarkeit“ ist leicht untertrieben.
    Dein Bericht ist so richtig gefüllt mit praller Begeisterung!!!
    So mitreisend, selbst ich (Wasser ist eher nicht mein Element!) hab Lust bekommen zum Surfen!

    Ich wünsche Dir noch viele „Spasswellen“ und was es sonst noch alles an Wellenarten gibt – Du wirst sicher noch von vielen Wellen schwärmen.

    Liebe Grüße aus dem stürmisch regnerischen Ländle (Sommergewitter vom Feinsten mit Blitz, Donner und Hagel – der Februar gibt Alles!)
    Gabi + O. R. und T. E.

    • Markus Warth

      Hallo Gabi,
      schön von Dir zu hören und danke für Dein nettes Kommentar. Freut mich, dass Dir mein Artikel gefällt.
      Ich hoffe ja, dass es nicht nur kleine Spaßwellen bleiben. Aber auch die größeren machen Freude.
      Grüß alle schön daheim und bis Bald.

Kommentare sind geschlossen.