Das Drivethru Surfcamp in Sri Lanka: Auf eine Session im Vorgarten von Madiha

Sonnenaufgang Madiha Sri Lanka

Der Süden Sri Lankas, eine mir unbekannte Gegend kennen lernen, neue Surfspots, ein paar Tipps holen um mich zu verbessern, Rifferfahrung sammeln, Gleichgesinnte treffen… dies waren meine Gedanken und Erwartungen, als ich mich auf den Weg ins Drivethru Surfcamp in Sri Lanka machte.

Schon länger hatte ich das Camp in Madiha im Auge. Die Webseite und viele gute Kritiken in einschlägigen Facebookgruppen versprachen nur Gutes. So stand schnell fest, dass dies das Richtige für mich ist. Eine Woche könnte ich mir gönnen, obwohl es ein kleines Loch in mein Budget reißen würde. Die Buchung über Wavetours, dem Kooperationspartner des Camps, verlief problemlos. Also hin da!


Der Plan war, mit dem Zug von Galle bis Matara zu fahren und dann auf ein Tuktuk bis ins Camp umzusteigen.

 

Auf dem Weg ins Drivethru Surfcamp

Klackklack klackklack klackklack… eine Stunde lang liegt mir das monotone Geräusch in den Ohren. Dazu ein wenig Geschaukel und Ruckeln. Der Fahrtwind bläst angenehm durch die offenen Fenster in mein Gesicht. Ab und zu stehe ich von dem schweißtreibenden Kunstledersitz auf und lehne mich aus der Tür in Fahrtrichtung. Das tut gut, ist aber eine nicht ganz ungefährliche Erfrischung.

Warten am Bahnhof von Galle

März 2016, Galle Railwaystation, da wusste ich noch nicht so recht, was Surftechnisch auf mich zukommen würde.

Endstation Matara. Mein Platznachbar hilft mir, das Boardbag aus der Gepäckablage über den Sitzreihen zu hieven. „Bohomo sthuthiyi!“ versuche ich mich, mit leichtem Kopfwackeln und Lächeln, in Localsprache zu bedanken. Er lächelt und wackelt zurück.

Noch auf der Treppe zum Bahnhofsvorplatz schleicht sich ein Kerl zu mir her. Das gewohnte Spiel geht los. „You need Tuktuk?“ — „Yeees!?“ antworte ich freundlich. Er weist mir den Weg zu seinem Gefährt. „What is the price to Madiha? Drivethru Surfcamp?“ Halte ich mich bewusst kurz. Bei zu viel Geschwätz kommen die Jungs hier schnell durcheinander.


Natürlich einigen wir uns irgendwann auf etwas, mit dem beide Parteien zufrieden sind.

 

Auf dem Weg muss der Fahrer immer wieder anhalten und nachfragen, wo es hin geht. Hat er mir doch auf meine Nachfrage versichert, dass er weiß wo das Drivethru Surfcamp ist. Kurz überlege ich, wie der Schlawiner den Preis festlegen konnte, obwohl er keine Ahnung hat wo das Ziel ist. Egal, Hauptsache wir kommen an. Tun wir auch.

Endlich da. Ankunft im Drivethru Surfcamp.

Die freundliche Mimi empfängt mich und zeigt mir alles. Das Camp macht einen guten Eindruck, ist aber wie ausgestorben. Gerade sind scheinbar Alle beim Surfen. „Um halb zwei gibt es einen Mittagssnack.“, gibt mir Mimi noch mit auf den Weg, bevor ich mein Zimmer beziehe. Die kurze Dusche und die frischen Klamotten danach sind eine Wohltat. Hat mich die Tour vom Rathna Guesthouse in Dalawella bis ins Drivethru Surfcamp in Madiha doch einiges an Schweiß gekostet.

Auf dem Boden vor dem Zimmer sitzend starre ich in mein Handy. Die ersten, mit Surfbrettern und Campgästen beladenen Tuktuks, knattern über den steinigen Weg, an mir vorbei. Muss wohl bald Essenszeit sein. Ich mache noch meine Facebook- und Instagramsachen zu Ende und schlendere dann schon mal in Richtung Haupthaus.


Am Kopfende der linken Tafel sitzt bereits ein Kerl mit ein bisschen zu vielen Haaren auf dem Kopf und im Gesicht.

 

Eigentlich ist noch alles frei. Trotzdem frage ich, wo ich mich hinsetzten kann. „Kuuum Longaaa, setz di zu miaaa!“, kommt es mir entgegen. „Bisch ah aus Monnemm?“, geht es weiter. „Neneee, Mannheim isch etwa 30 Minuddä vun mia mim Audo weg.“, erkläre ich kurz. Mein Dialekt verrät mich einfach überall. Haha, witzig. Da fliege ich fast um die halbe Welt und sitze am Ende mit einem Typ aus Mannheim am Tisch. Wir stopfen uns zusammen ein paar frittierte Teigdinger rein und spülen die Reste mit Wasser runter. Das ist die erste Begegnung mit Marco dem Koch. Dem „gefährlichsten Koch der Welt“ wohlgemerkt, der bald die Küche im neuen Nexosurfcamp in El Palmar übernehmen wird.

Surfen Reefbreak Madiha Sri Lanka

März 2016, Madiha Reef aka Vorgarten, die Tipps der Surf-Coaches waren so gut, dass ich sie gleich umsetzen konnte. Danke an das Drivethru und an Vero für das Foto.

Abends gehen die meisten nochmal surfen. Ich kenne mich noch nicht aus und weiß rein gar nichts über die Spots, habe aber auch noch Lust auf eine Session. Die Hauswelle, ein Reefbreak, muss nicht gleich am ersten Tag sein. Dazu ist mein Respekt vor unbekannten Riffwellen noch zu groß. Green Rooms in Weligama kommt eigentlich auch nicht in Frage. Kenne ich schon. „Black Sands“ kam während dem Essen aus einigen Mündern. Also trage ich mich in die Tuktuk-Liste ein und ein paar Minuten später geht’s los.


In rasantem Tempo schießen wir durch den Feierabendverkehr von Matara. Irgendwie legen sie hier eine andere Geschwindigkeit an den Tag.

 

Ein Ausflug zum Sonnenuntergang an den Medawatta Beach

Am langen Stadtstrand von Matara brechen schon ein paar Wellen. Der Fahrer dreht sich öfter, mit fragendem Blick, zu mir um. „More, more! Black Sands!“, befehle ich und winke, ohne zu wissen wo das überhaupt ist, in Fahrtrichtung. Mein Gefühl sagt mir, dass es noch ein Stückchen weiter sein muss. Der Stadtstrand verschwindet zu meiner Rechten hinter einem Hügel. Nach einer Weile biegen wir ab. Ein schmaler Weg führt nach unten bis zum Strand. Das ist also Black Sands.

Eine schöne lange Bucht, mit dunklerem Sand als gewohnt, liegt vor mir. Die grün bewachsenen Hügel hinter mir ergeben eine wunderbare Kulisse. Der dunkelblaue Horizont bildet einen klaren Kontrast zum noch hellen Himmel. Wie mit dem Lineal gezogen. Rechts von mir vollführt die Sonne ihr allabendliches Schauspiel und wird bald wie eine riesige glühende Scheibe im Meer versinken.

Kurzer Surf, mit einigen schönen Wellen für mich. Die glühende Scheibe ist plötzlich weg und das Wasser wird irgendwie unheimlich dunkel. Im nächsten Moment sitze ich wieder auf der Rückbank des schwarzen Tuktuks. Der Fahrtwind föhnt mich trocken. Die Kommunikation mit dem Fahrer läuft nur schleppend an. Er versteht kaum englisch.

Beim Abbiegen bleibt sein Blick an einer Gruppe Mädchen hängen. In Localsprache will er mir was mitteilen. „Kikile, Kikile!“, entfährt es mir. Der Kerl lacht sich schlapp und das Eis ist gebrochen. Ihm auf die Schulter tippend mache ich mit „Kukula, Kukula“ weiter. Jetzt kriegt er sich erst recht nicht mehr.


Bis zum Camp gebe ich alle mir bekannten singhalesischen Floskeln zum Besten. Wir amüsieren uns prächtig.

 

Alltag im Drivethru Surfcamp

Die nächsten Tage laufen immer im gleichen Schema ab. Schlafen bis halb sechs, dann zum Surfkurs oder Freesurf. Frühstück. Um zehn Surfkurs oder Freesurf. Mittagessen. Ein Flat White im Coffeepoint und Internetarbeit. Sunsetsurf. Die Surfteacher im Drivethru Surfcamp machen ihre Sache wirklich hervorragend und ich bekomme die erhofften Tipps. Vieles ist mir schon bekannt. Einige entscheidende Dinge, wie bestimmte Bewegungsabläufe und die richtige Belastung beim Bottomturn oder Cutback, picke ich mir aber heraus.

Drivethru Surfcamp Madiha Sri Lanka

März 2016, Madiha, Drivethru Surfcamp, Zeit für Internetsachen blieb meistens nur am Abend.

Es läuft nur am ersten Kurstag gut für mich. Danach bin ich leider irgendwie down. Weiß auch nicht warum. Vielleicht zu viel Surfen? Nee, das kann nicht sein. „Egal, es werden schon noch viele gute Tage kommen. Wenn nicht hier in Madiha, dann auf jeden Fall in Arugam Bay.“, versuche ich mir einzureden. Warten ist ja eine Eigenschaft, die du als Surfer unbedingt mitbringen solltest. Also immer schön gelassen bleiben.

Wie immer kommt es ganz unverhofft. Nach zwei kursfreien Tagen am Wochenende steht auf der Surftafel für Montag: 10:00 Uhr „Vorgarten“. So wird hier der Reefbreak, 50 Meter vom Camp weg, genannt. Am Tag davor war ich schon mal kurz dort surfen und es war machbar. Zehn Uhr? Bleibt also noch Zeit für eine morgendliche Frühsession. Spontan fällt die Wahl auf den Vorgarten. Die richtige Entscheidung wie sich zeigen wird.


Mit viel Respekt und genügend Selbstvertrauen wate ich über das Riff bis es tiefer wird.

 

Auf eine Session im „Vorgarten“ des Drivethru Surfcamp

Das richtige Timing bringt mich durch den Channel ganz einfach ins Lineup. Erste Hürde geschafft. Wir sind nur zu zweit im Wasser. Keine Minute sitze ich auf meinem Brett, bis die erste Welle auf uns zu kommt. Langsam und geschmeidig baut sie sich vor uns auf. Kurz geht mein Blick zu dem anderen Surfer, der aber keine Anstalten macht los zu paddeln. Also dann… Ich scheine genau am richtigen Fleck zu sein. Drei Paddelzüge und ich merke, wie die Welle mich mitnimmt.

Die aufgehende Sonne wirft ihre Strahlen direkt auf die wunderschöne glatte Wasseroberfläche vor mir. Ich pushe nach oben Richtung Kamm, dann lass ich mich nach unten gleiten und von neuem die gleichen Bewegungen. Die Geschwindigkeit fühlt sich prächtig an. Drei Mal, dann ist der schnelle Teil der Wasserwand überstanden. Ein kleiner Turn am oberen Teil der Welle, nochmal ins Tal und dann über die Schulter nach hinten weg.

War das jetzt echt? Auf jeden Fall! Kurz darauf sitze ich wieder am Ausgangspunkt und grinse in die goldgelben Sonnenstrahlen, die langsam über die Palmen steigen. Wundervoll! Mein Blick dreht sich zum Horizont und ein Wellen-Déjà-vu überkommt mich. Langsam und geschmeidig baut sie sich vor uns auf…

Vier Mal wiederholt sich das Schauspiel bis weitere Surfer dazu kommen. Es werden immer mehr und ich überlege kurz, ob ich einfach an Land gehen soll. Kann es doch eigentlich nicht mehr besser werden. Was für ein doofer Gedanke, denn wenig später kommt der nächste Wasserberg genau auf mich zu. Zweieinhalb Stunden lang erfreut sich meine Seele an den Ritten der Anderen und an den Eigenen.


Während dem kurzen Rückweg zum Camp überkommt mich ein wunderbares Gefühl der Zufriedenheit.

 

Und nochmal in den „Vorgarten“ von Madiha

Frühstück! Ananas, Melone, Papaya, Joghurt, eine Maracuja und etwas Sirup darüber. Lecker! Der lokale Kaffee ist nicht so toll, aber trotzdem immer wieder Teil der Morgenmahlzeit. Die Gespräche am Tisch berühren mich heute wenig. Die Gedanken sind immer noch in den Wellen. Hoffentlich bleiben die Bedingungen gut für den Surfkurs nachher.

Surfen Reefbreak Madiha Sri Lanka

März 2016, Madiha Reef aka Vorgarten, Wahrscheinlich die größte Welle die ich bis dahin je richtig gesurft bin. Danke an das Drivethru und an Vero für das Foto.

Zu fünft stehen wir wenig später an der Wasserkante. Die Surfbretter unter den Armen haltend erklärt uns Waschdl, der Coach, nochmal den Spot. Wo es sich am besten rauspaddeln lässt, welche Stellen im Riff flacher sind und wie man wieder zurück an Land kommt. Aufmerksamkeit ist gefragt. Die Hauptwelle ist ziemlich überfüllt, deshalb entscheidet Waschdl, dass wir doch lieber zu einem Peak weiter rechts gehen sollen. Dort sind nur zwei Jungs im Wasser.

Los geht’s. Vero aus dem Campteam begleitet uns mit einer Kamera im Wassergehäuse. Schön! Jetzt bekomme ich vielleicht endlich ein paar gute Surffotos von mir. Auf dem Weg nach draußen kommt schon das nächste Set. Die Beiden, die vor uns da waren, schnappen sich jeder eine Bombe. Sieht klasse aus, wie sie in die steile, aber freundliche Ansammlung von Wassertropfen hineinstarten. Ich versuche mir was abzuschauen.

Durch die höher stehende Sonne erscheinen der Ozean und die Wellen in einer sehr einladenden Farbkombination. Der Horizont wirkt dunkelblau, während die sich aufbäumende Wasserform in glitzerndem Türkis erscheint. Der helle Sandstrand und die grünen Palmen dahinter bilden einen traumhaften Kontrast. Ich bin genau da wo ich sein will und schon immer sein wollte!

Drei Stunden später flacht es ab und die übliche Mittagsbrise setzt ein. Alle sind schon weg und es will keine letzte Welle mehr für mich kommen. Keine Kraft steckt mehr in Ihnen. Letztlich trägt mich eine große Weißwasserwalze fast bis zum Strand. Mein Board gleitet die letzten Meter im klaren Wasser, während das flache Riff unter mir vorbeizieht. Unbeschadet schaffe ich es an Land, öffne die Leash und klemme mir das geliebte Stück Fieberglas unter den Arm. Ein letzter Blick zurück.


Alleine und mit dem Gedanken, den besten Surftag in meinem unbedeutenden Surferleben hinter mir zu haben, schleiche ich wie auf Wolken davon.

 

Danke dafür an das Drivethru Surfcamp. Ihr macht einen guten Job.

 

Drivethru Teamfoto

Sehr nettes und lustiges Team. Vielen Dank an euch für das Foto!

Schön, dass du vorbei geschaut hast und bis bald.

Surfen, Reisen, Leben in Sri Lanka

Hattest du auch schon eine Surfsession im „Vorgarten“? Warst du auch schon mal im Drivethru Surfcamp? Hast du eine Geschichte deiner besten Surfsession ever auf Lager? Dann schreib mir ein paar Zeilen in die Kommentare! Ich würde mich sehr freuen, deine Geschichte zu hören.

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